Chameleon hat geschrieben: 
15.08.2024 22:25:04
Warum soll es überhaupt so was wie einen Anfang gegeben haben? Muss es zwingend einen Anfang gegeben haben?
Wenn die Zeit wie wir sie wahrnehmen nur eine intrinsische Eigenschaft unserer Raumzeit ist, dann hat sie zumindest in dieser Form definitiv einen Anfang, nämlich die Entstehung unseres Universums, mitsamt seiner Raumzeit.
Es gibt allerdings mehrere Modelle eines zyklischen Universums.
Das "traditionellste" davon, als Alternative bzw. Erweiterung zur Urknalltheorie (Big Bang) ist die Big-Bounce-Theorie, in der sich das Universum nach einem Big Bang und einer Ausdehnungsphase wieder zusammenzieht, bis zu einem Big Crunch, wonach ein neuer Zyklus starten würde.
Ich bin nicht auf dem Laufenden, aber mein letzter Stand zur Forschung vor ca. 10 Jahren war, dass die Masse im Universum nicht ausreicht, um die Expansion zu stoppen. Soweit mir bekannt, ist momentan der Big Chill das verbreitetste Modell, das Zerstrahlen aller Materie bis zur maximalen Entropie. Da das Fortschreiten der Zeit oft als die Zunahme der Entropie auf universeller Ebene betrachtet wird, wäre der Big Chill auch das Ende der Zeit.
Die konforme zyklische Kosmologie geht von einem Zyklus ohne Big-Crunch-Phase aus. Wie dabei der Übergang von Big Chill / Big Rip zum neuen Urknall aussehen soll ist mir nicht klar.
Das Steinhardt-Turok-Modell ist eine zyklische Variante der früher erwähnten Erklärung des Urknalls im Rahmen der Stringtheorie als Brane-Kollision. Dass es mehrere Brane-Kollisionen geben könnte, leuchtet mir ein. Warum das aber zu mehr oder weniger geordneten Zyklen führen sollte, übersteigt mein Verständnis.
cosinus hat geschrieben: 
15.08.2024 22:34:04
Vllt existiert dieses Zeitkonstrukt nur im menschlichen Kopf, in Wahrheit gibt es das aber garnicht?
Zumindest deutet die Quantenphysik darauf hin, dass die ausgezeichnete Rolle der Zeit, mit ihrer klaren Richtung von der Vergangenheit in die Zukunft, im Vergleich zu den drei Raumdimensionen, in denen wir uns frei bewegen können, nur eine Folge unserer begrenzten Wahrnehmung ist.
Wie gerade angesprochen wird der Verlauf der Zeit physikalisch als Ausdruck der Zunahme der Entropie im Universum verstanden. Dabei wird gern das Bild der vom Tisch falllenden Kaffeetasse bemüht, die auf dem Boden zerschellt. Wir beobachten aber nie, dass der Scherbenhaufen spontan wieder zurück auf den Tisch hüpft und dabei zur Tasse wird. Der Scherbenhaufen hat eine größere Entropie ("Unordnung") als die intakte Tasse.
In der Quantenphysik spräche nichts gegen eine Abnahme der Entropie. Aber wir als makroskopisch wahrnehmende Wesen sehen immer nur die Tasse zerschellen.
Außerdem, wie bereits erwähnt, gibt die ART im Prinzip Bewegungen mit Überlichtgeschwindigkeit bei endlichem Energieaufwand her. Nur der Punkt der Lichtgeschwindigkeit selbst stellt für massebehaftete Teilchen eine Unmöglichkeit dar. Raum und Zeit würden bei Überlichtgeschwindigkeit gewissermaßen ihre Rollen tauschen. Raumartige Kurven würden zeitartig werden und andersrum. Auch das deutet meiner Interpretation nach darauf hin, dass die Zeitdimension im Prinzip keine Sonderstellung gegenüber den Raumdimensionen hat.