Performance von Debian im vergleich zu anderen Distris

Warum Debian und/oder eine seiner Spielarten? Was muss ich vorher wissen? Wo geht es nach der Installation weiter?
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Performance von Debian im vergleich zu anderen Distris

Beitrag von AD-Admin » 12.10.2006 23:05:17

Hi Leute,

debian ist eine der Distributionen die besonders gerne im Serverbereich eingesetzt wird.
Hauptgrund: Einfach zu handhaben, sicher sowie sehr schlank und durch das schlanke Grundsystem ist die Distribution auch entsprechend performant.

Bisher läuft Debian auch mit echt guter Performance.

Heute habe ich durch zufall eine SUSE Linux 10.1 Serverinstallation gesehen. Also natürlich auch nur mit Shell also reiner Textserver genauso wie unsere Debianserver.

Und ich sag euch: Ich war erstaunt, was Suse für eine Performance hat.

Beispiel am Apache:
Wenn man PHPSysinfo lädt wird einem ja unten rechts die Ladezeit angezeigt die der Apache braucht.
Bei diesem Suse System hat Apache 0,22 - 0,28 Sekunden gebraucht um PHPSysinfo zu laden. (wenn man lokal die IP Adresse mit /phpsysinfo) eingibt.

Bei unseren Debian Servern auf vergleichbarer Hardware läuft da unter 0,5 Sekunden gar nichts. Klar das ist natürlich nicht viel.
Aber auch sonst wenn man den Server mal versucht hat richtig Last zu machen hat mir die Standard 10.1 Text Installation von SuSe einen extrem performanten Eindruck gemacht.

Es kam sogar so vor, als läuft diese Distri durchaus performanter als vergleichbar Debian.

Habt ihr eine Ahnung was Suse da an Tuning macht?

Das ist ja absolut erstaunlich, wie die eine derartige Performance hinlegen?

Und gerade ich, mag Suse eigentlich überhaupt nicht.
Gruß
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meandtheshell
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Beitrag von meandtheshell » 12.10.2006 23:12:48

Das hat nichts mit der Distribution zu tun sondern mit dem Kernel. Wenn man an der preemtion dreht dann geht das überall unabhängig von der Distribution.
http://people.redhat.com/mingo/realtime-preempt/

markus

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mauser
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Beitrag von mauser » 12.10.2006 23:17:03

hi,

generell wählt der Suse-Installer den Kernel besser aus (meiner Erfahrung nach). Z.b. kann es sein, das Debian bei Multiprocessor-Systemen nicht den smp-Kernel installiert. Oder es ist nur ein i386 installiert, obwohl der 686 passender wäre (natürlich kann man das per Hand nachinstallieren).

Und wie meandtheshell schon genannt hat: Suse patcht den Kernel recht stark..

mfg
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Beitrag von AD-Admin » 12.10.2006 23:22:34

Also Suse muss da ja einiges an den Kerneln patchen.

Wir haben selbst auf P4 Systemen mit HT überall folgenden Kernel drauf:

2.6.17-2-686 SMP.

Dies sollte für P4 Systeme mit HT Technologie der ideale Kernel sein.

Ich habe mir übrigens auch schon Ubuntu, Fedora, Redhat, CentOS usw. angeschaut. Also keines dieser Systeme war so performant wie Suse.
Sondern Debian war eigentlich immer schneller.

Aber wie Suse so eine Performance rausholt ist mir ein absolutes Rätsel.
Und ich kann wie Gesagt mit Garantie sagen, dass auf unseren Debian Systemen für das jeweilige System der richtige Kernel drauf ist.
Auch in MySQL war Suse ziemlich gut was die Performance betrifft.

Heisst das denn dann im klartext, dass ein Suse System im vergleich zu einen großteil der alternativen Distributionen eine bessere Systemperformance bietet?

Ich bin ja eigentlich überhaupt kein Susefan... im gegenteil..
Gruß
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Beitrag von Teddybear » 12.10.2006 23:26:46

Vergleich doch einfach mal die Kernelconfig von Suse, mit der von Debian

Dann wirst du sehen, wo die was anders handeln..
Versuchungen sollte man nachgeben. Wer weiß, ob sie wiederkommen!
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herrchen
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Re: Performance von Debian im vergleich zu anderen Distris

Beitrag von herrchen » 12.10.2006 23:30:34

AD-Admin hat geschrieben: Bei unseren Debian Servern auf vergleichbarer Hardware läuft da unter 0,5 Sekunden gar nichts.
sind denn auch die versionen der verwendeten software gleich?

herrchen

ps. warum geht eigentlich jeder davon aus, dass SuSE "langsam" ist?

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Beitrag von meandtheshell » 12.10.2006 23:32:46

@AD-Admin
Once again ...
Es gibt einen Kernel und den Userspace. Der Userspace ist das was "der Mensch" wie man ihn Tag täglich antrifft als Distribution bezeichnet. Grundsätzlich haben die beiden in der Praxis natürlich etwas miteinander zu tun in dem Kontext dieser Frage eher nicht ... warum:

- eine Kernel Versions Nummer ist wie ein Nummernschild auf einem KFZ
-- sagt nichts über Motor etc. aus ergo ist eine Versions Nummer wenig aussagekräftig

- aussagekräftig sind pristine kernel sources und .config

- zu sagen den richtigen Kernel drauf zu haben ist nett aber was bedeutet das
-- hat man die richtige Architektut gewählt
-- hat man an .config so lange gefeilt bis man sich ganz sicher ist besser geht es nicht
-- was ist überhaupt der richtige Kernel auf der XY Hardware
--- ein grsec+vserver patch gepatchter Kernel (also auf Sicherheit getrimmt) oder
--- ein mit allen Finessen an hard und soft real-time gespickter Kernel (auf Speed getrimmt) oder ein anderes Anwendungsgebiet als diese


FAZIT
Zu sagen eine Distribution XY ist schneller als eine andere ist keine klare Aussage. Man muss ausgehend von kernel sourcen und .config eine Aussage machen.

Das eine Serverdistribution nicht mit dem gleichen kernel binary ausgeliefert wird wie eine Deskopdistribution sollte klar sein - nein?
Der Suse Kernel ist ein fettes Schwein - jeder der sich gut bis sehr gut im Kernel Segment auskennt kannt einen Kernel bauen der den Suse Server Kernel das Fürchten lehrt. Alleine was Suse an unsinnigen binary blobs in den Kernel baut ist als würde man mit einem Auto über den Acker fahren und den Anker eins Supertankers nachziehen.

markus
Zuletzt geändert von meandtheshell am 12.10.2006 23:37:43, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitrag von mauser » 12.10.2006 23:35:56

@meandtheshell:

sehr guter Post. besser kann man es nicht mehr erklären :)

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Re: Performance von Debian im vergleich zu anderen Distris

Beitrag von AD-Admin » 12.10.2006 23:37:49

herrchen hat geschrieben:
AD-Admin hat geschrieben: Bei unseren Debian Servern auf vergleichbarer Hardware läuft da unter 0,5 Sekunden gar nichts.
sind denn auch die versionen der verwendeten software gleich?

herrchen

ps. warum geht eigentlich jeder davon aus, dass SuSE "langsam" ist?
Also der Unterschied ist, dass Suse Apache 2.2 einsetzt und wir Apache 2.0

Ich habe allerdings auch mal just for fun XAMPP geholt und ne leere Debian Etch Installation gemacht. Xampp hat ja auch wie Suse neueste PHP Version, Apache 2.2 und damit war das dann vergleichbar.

Da kommt Debian so auf 0,46 - 0,80 Sekunden.

Während Suse wie gesagt wirklich die Seiten konstant in 0,22-0,228 Sekunden ausliefert. Und auch wenn man z.b. bei Debian MySQL 5 richtig unter last setzt dann geht der Server teilweise schon richtig in die Knie was die Performance betrifft ist ja auch logisch.

SuSe hingegen scheint das etwas "souveräner" abzuarbeiten und dennoch ne gute Performance zu bieten und ist vor allem auch da wenn man z.b. ne 500 MB Datenbank einspielt deutlich schneller. Ich habe das auch nochmal auf ein und derselben Hardware getestet. Also was die HWARE betrifft gleiche Bedingungen.
Und ich bin total erstaunt, weil ich Suse eigentlich nur "Müll" zugetraut habe.

Es kann doch nicht nur der Kernel sein?

Also ich habe wie gesagt Suse 10.1 als Referenz.
Da ich für Kernelsachen nicht so der Experte bin poste ich mal die Kernel Config von Suse: (auf Basis von Kernel 2.6.16) wird per default installiert

http://nopaste.debianforum.de/4319

Könnt ihr da sehen, ob Suse da irgendwas tut, was derart drastisch die System Performance steigert?
Gruß
AD-Admin
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Beitrag von meandtheshell » 12.10.2006 23:56:00

Könnt ihr da sehen, ob Suse da irgendwas tut, was derart drastisch die System Performance steigert?

Code: Alles auswählen

max@pc1:/tmp$ grep -rn --color 'PREEMPT_VOLUNTARY' 4319
148:CONFIG_PREEMPT_VOLUNTARY=y
max@pc1:/tmp$
Als ein Beispiel - mehr über das Thema findest Du hier oder über Google etc.
- http://www.realtimelinuxfoundation.org/
- https://www.rtai.org/

"Super" server kernel binary vs. desktop binary:
Das server binary schneidet in der Desktop Umgebung sicher schlechter ab (was execution time und vorallem latenz zeiten angeht (das macht den User wahnsinnig (e.g. langsame Mausbewegung unter voller Systemlast nach links - zuerst tut sich gar nichts und dann hüpft der Mauszeiger an den linken Rand dafür ist der Datenbank dump um 1,8sec schneller erledigt als mit dem Desktop binary))
Darum - der "richtige" Kernel für ein entsprechendes Einsatzgebiet.

markus

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Beitrag von AD-Admin » 13.10.2006 00:07:24

Hi,

vielen Dank an euch für die vielen Antworten in so schneller zeit.
Auch nochmal an meandtheshell für die genaue Erklärung.

Mal ganz direkt gefragt: Haltet ihr Suse denn auf dem Server für empfehlenswert? Oder lieber nicht? :D

Oder lieber mal für Debian komplett selbst einen eigenen Kernel bauen?
Wenn ich so eure Antworten schlussfolgere, ist ja wohl in der Performance Sache der Kernel der größte Faktor.
Und da scheint Suse den Kernel per default mehr auf Performance zu "trillen" als vergleichbar Debian.

Wobei mir nach wie vor die Philosophie, die Stabilität, das Paketsystem bei Debian wesentlich besser als bei Suse gefällt. Wenn dieser Performancezuwachs tatsächlich auch unter Debian mit einem entsprechend guten Kernel erreicht werden kann, spricht für Suse ja überhaupt nichts mehr ...

Gibt es denn irgendwo mal ein richtig gutes detailliertes How to wie man speziell unter Debian einen Kernel baut?
Gruß
AD-Admin
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Beitrag von meandtheshell » 13.10.2006 00:15:26

AD-Admin hat geschrieben: Oder lieber mal für Debian komplett selbst einen eigenen Kernel bauen?
Ja
Wenn ich so eure Antworten schlussfolgere, ist ja wohl in der Performance Sache der Kernel der größte Faktor.
Ja
Und da scheint Suse den Kernel per default mehr auf Performance zu "trillen" als vergleichbar Debian.
Falsch - Du vergleichst Birnen mit Äpfeln - bzw. Server binaries mit desktop binaries.
Gibt es denn irgendwo mal ein richtig gutes detailliertes How to wie man speziell unter Debian einen Kernel baut?
Du musst eher wissen wie man "richtig" konfiguriert - dazu lesen lesen lesen!

markus

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Beitrag von AD-Admin » 13.10.2006 00:52:11

Hi,

jo ich werde versuchen mal mehr zu dem Thema zu lesen und mal in ner VMWARE eigene zu bauen ;)

Heisst das denn im Klartext, dass der Debian Kernel mehr für Desktop als Server ausgelegt ist? Zumindest die, die per Default von Debian mitgeliefert werden?

Gibt es irgendeine Webseite oder die Möglichkeit für Server und auf Performance getrillte Kernel Configurationen zu finden? Dann braucht man ja nur den Kernel downloaden, die config holen und dann nach einer bereits guten Config für Server Kernel zu installieren bzw. den Kernel zu kompilieren?

Das wäre für den Anfang sicher einfacher. Denn bei der menuconfig hab ich z.b. kaum Plan was man da nehmen muss und was nicht... Denn wenn man wirklich einen Kernel für bestimmte Hardware baut könnte man ja alles was man nicht braucht rausschmeissen und hätte damit nen extrem schlanken und dementsprechend performanten Kernel.
Das setzt aber das "Know How" voraus was man in der menuconfig machen muss und dass ist leider aus meiner Sicht gar nicht so leicht.

Und für P4 / Xeon Systeme die ja viel im Serverbereich eingesetzt werden sollte es doch möglicherweise irgendwo Konfigurationen geben die auf Server Anwendungen "optimiert" sind?
Gruß
AD-Admin
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Beitrag von cosmac » 13.10.2006 01:09:59

AD-Admin hat geschrieben:Denn wenn man wirklich einen Kernel für bestimmte Hardware baut könnte man ja alles was man nicht braucht rausschmeissen und hätte damit nen extrem schlanken und dementsprechend performanten Kernel.
Jein -- solange man Kernel-Module benutzt, ist der Kernel schlank.
Wenn man nur die Module für die tatsächlich vorhandene Hardware
erzeugt, kann man zwar ca. 40 MB Plattenplatz sparen, es bringt aber
keinen Performance-Vorteil -- was nicht benutzt wird, bremst auch nicht.
Wenn man auf Module verzichtet, wird der Kernel zwar grösser, aber
immer noch nicht langsamer -- was nicht benutzt wird, bremst auch nicht.

Oder?
Beware of programmers who carry screwdrivers.

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